Lasagne pferdi

Brüller des gestrigen Tages war eindeutig die Schlagzeile im Blick: „Lasagne pferdi“ in Anlehnung an die Lasagne verde. Es geht um den europaweiten Pferdefleischskandal, in Folge dessen Pferdefleisch über dunkle, aber vor allem weite Wege, über Frankreich, Niederlande, Rumänien und weiss der Guggu sonstwo in die Fertiglasagne von Coop gelangt sind. Notabene bis dahin zu Rindfleisch mutiert…

Die „Lasagne pferdi“ ist ja noch zum Lachen, aber kurze Zeit später bleibt einem (hoffentlich!) das Lachen im Hals stecken. Pferde werden also im Norden von Rumänien geschlachtet und dann an einen zypriotischen Zwischenhändler verkauft. Der zyprische Händler mit niederländischen Wurzeln hat dann das -noch immer- Pferdefleisch nach Frankreich verkauft, wo es im Südwesten des Landes verarbeitet und „mutiert“ wurde. Weshalb eigentlich bleibt unklar… Pferdefleisch ist bestimmt nicht weniger wertvoll, als Rindfleisch, aber darum soll es hier nicht gehen.

Über einen weiteren Zwischenhändler soll es dann in die Schweiz -unter anderem zu Coop- gekommen sein. Mittlerweile als Rindfleisch deklariert und von da aus zu Lasagne, Burger und weiss der Kuckuck was verwurstet. Dies der aktuell letzte Stand des Irrtums, zusammengefasst aus einem Artikel im Tagesanzeiger online von gestern.

Man stelle sich die Reise jetzt mal bildlich auf der Europakarte vor. Mit Kühlbox auf dem Rücksitz und am Steuer eines -sagen wir mal- sehr guten Mittelklassewagens. Tut ihnen da nicht der Allerwerteste vom blossen vorstellen weh? und wie geht es der Kühlbox auf der Rückbank? und der Luft? der Umwelt? dem Verkehrschaos in den Zentren? macht es wirklich Sinn, Lebensmittel (LEBENS!!!-Mittel) dreimal quer durch Europa zu verschieben, damit letztendlich die Fertiglasagne drei Rappen billiger ist?

Macht es Sinn, sich mit dem guten Gewissen zu schmücken, dass die Tiere in der Schweiz verhältnismässig gut gehalten sind, dass der Tierschutz relativ gut ist, wenn wir dann im Kühlregal, im Grossmarkt partout nur zum Billigsten greifen?

Ja, ich weiss, Lasagne herstellen ist ziemlich aufwendig, gibt eine Riesenschweinerei in der Küche und trotzdem… wenn ich zwei Wochen später aus dem Tiefkühler die zweite Portion ziehe, weiss ich ganz bestimmt, dass kein Pferdefleisch, kein Gammelfleisch, kein chemischer Käse und kein Rahmersatz drin ist. Auch keine Farbstoffe und keine Geschmacksverstärker, Aromen etc. etc. drin ist. Sondern bloss das, was ich reingewurstelt habe. Also das Hackfleisch vom Biobauern oder vom Bauer meiner Wahl (hmmmm… Wildschwein ist wunderbar! Strausshackfleisch übrigens auch), die etwas angejahrten Rüebli, samt dem ungeliebten Zucchetti aus der Biokiste, Zwiebeln aus Gino’s Garten, Butter, etwas Mehl, Käseresten und die letzte Scheibe Raclette-Käse… vom feinen Duft, der das ganze Haus erfüllt, wenn der Sugo über Stunden in der Küche köchelt, mal ganz abgesehen. Das schlägt jeden künstlichen Raumduft um Längen!

Man ist, was man isst, heisst es in einem Sprichwort. Denken wir daran. Einmal mehr. In diesem -ziemlich nachdenklichen- Sinne wünsche allen einen guten Wochenendspurt und ein schönes Wochenende. Und den Fasnächtlern keine „Lasagne Pferdi“-Entdeckung unter der schönen Maske…

Über Tina

Staatlich unzertifizierte, altmodische und pädagogisch wenig wertvolle Kinder- und Hundebändigerin mit Hang zum Chaos. Und Liebe zum Mann, zum Chaos und zur Nähmaschine.
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One Response to Lasagne pferdi

  1. ivano sagt:

    Dass das fleisch trotz tausenden von transportkilometern per bahn, flugzeug und lkw immer noch billiger ist haengt damit zusammen, dass die EU gewisse grenzueberschreitende aktivitaeten sogar noch finanziell foerdert.
    Kommt noch dazu, dass ich rossfleisch gar nicht mag!
    Werden wir doch noch gezwungenermassen allo noch zu veganern???????? Ein ganz üübler gedanke….

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