Diese 1. August-Rede von Polo Hofer kann ich Euch nicht vorenthalten! Hat mich persönlich der Auftritt von Polo Hofer am Snowpenair eher enttäuscht, ist diese Rede hingegen wirklich Kult! Wenn ich da an diese lampige Rede über die Kurtaxenreform vor einigen Jahren in Grindelwald denke…. notabene nach der Begrüssung in Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch etc… Viel Spass und geniesst den Tag!
Liebe Frauen und Mannen!Liebe Bürgerinnen und Bürgeraussen!Hallo Boys and Girls!Es ist mir ein geistiges Fussbad und eine Ehre, euch an diesem 1. August, unserem Nationalfeiertag, einige meiner Gedanken zu diesem Land und seinen Bewohnern kundzutun. Mein Vater zum Beispiel war wahrlich ein Witzbold. Er wollte meine patriotische Bildung mit Humor fördern und behauptete mit ernster Miene, dass der Begriff «Schweiz» sprachgeschichtlich aus dem Keltisch-Angelsächsischen von «Schweiss» komme. Schwiiz heisst demnach eigentlich Schwitz und kommt von Schwitzen. Und schwitzen, liebe Schwitzer, tut man ja bekanntlich beim Arbeiten und nicht beim Faulenzen. Eine Zeitlang habe ich ihm das sogar geglaubt. Denn als die alten Habsburger anno 1315 am Morgarten unsere voralpinen Talschaften heimsuchten, um den störrischen Bauern Saures zu geben, kamen die armen Habsburger gehörig in unseren Schwitzkasten. Daher nennen sie uns seither Schwitzer und die Schweiz das Schwitzerland. Das heisst, dass das Unwort Swissness nichts anderes bedeutet als schweissnass.
Ja, liebe Schwitzer, wir haben das Glück, auf der einzigen Insel der Welt mit Land drum herum zu leben. Und obwohl das Drumherum Festland ist, sind die dort ganz schön am Schwimmen. Darum wollen auch viele zu uns in die Schweiz kommen, weil es uns hier gut geht. Und dass es uns auch in Zukunft nicht nur gut, sondern sogar blendend geht, dafür sorgen unter anderem unsere Sibe-Sieche in Bern. Nur einen einzigen Chef, wie alle anderen im Ausland, das wollen wir nicht. Wir teilen unser Bürdeli lieber auf viele Schultern auf und schreiten mit gutem Beispiel voran. Die politische Forderung könnte oder sollte oder müsste demnach nicht die Europäisierung der Schweiz, sondern die Verschweizerung des heutigen Europas sein. Jawohl!Genauso demokratisch wie unsere Politik ist übrigens auch unsere Intelligenz. Die Intelligenz ist nämlich gerecht unter allen Einwohnern verteilt, denn alle glauben, genug davon zu haben. Wohlstand allerdings ist eher ungerecht verteilt. Nur gerade 50 % der Bewohner unseres Landes sind übergewichtig.
Kurze Rede, tiefer Sinn: Wir Schweizer sind halt ein bisschen anders. Obwohl die Sommer kurz sind, schwitzen wir uns ein bisschen mehr ab als andere. Wir arbeiten im Team und sind doch lieber nur für uns. Wir sind das Land des Perfektionismus und doch nicht perfekt. Darauf sollten wir anstossen: Lasset uns die Feste feiern, bevor wir fallen! Beisset in den Emmentaler und nicht ins Gras, schlucket den Wein und nicht eure Sorgen hinunter. Auf dass die Schweiz so bleibt, wie sie schon immer sein wollte.En Guete, proscht und juhui!
Quelle: Artikel im Bieler Tagblatt
